Spanische Pioniere - Saludos vom Ebro

Ich bin aufgeregt in zwei Tagen geht’s los, das Abenteuer beginnt. Lange träumte ich schon von einem Trip zum legendären Riba Roja Stau. Mein Kumpel Jürgen und ich lassen dieses Jahr den gemeinsamen Traum wahr werden. Wir wollten kein Guiding, keine Unterkunft oder andere Annehmlichkeiten buchen, lediglich ein Boot hatten wir im Vorfeld gemietet. Alleine durchschlagen und den Ebro mit all seinen Facetten in eigener Regie bezwingen. Pionierarbeit leisten war die Devise.

Einige Monate vorher Sprach ich mit unserem Manager, Istvan Orbán über meine Pläne. Auf Grund des extrem hohem Weißfisch- und Kleinkarpfenaufkommens kam nur der selektivste Mix von Keen Carp, der Big Water in Frage. Ich ließ mir also die Boilies im Baitservice aus dem Big Water Mix in 24mm mit Spanish Red und New Raspberry Flavour abrollen. Pünktlich erreichten mich die Baits und die Reise konnte beginnen. Schnell war das Boot beladen und wir legten ab. Nun sind wir fort. Als wir so über den mächtigen Stau mit seiner immensen Wasserfläche fuhren verspürten wir ein überwältigendes Gefühl. Nun registrierten wir erst „WOW“ wir sind da!

 

Wir starteten den ersten Angeltag in einem Nebenarm des Ebros, dem Matarrania. Wir fanden eine steil abfallende Kante auf 10 m Tiefe im alten Flussbett.

Nach dem Aufbau des Camps und Auslegen der Ruten ließen wir erst einmal den Tag Revue passieren. Die er- ste Nacht am Stau verlief ohne Biss. Etwas weiter weg entdeckten wir eine ganze Schule Karpfen. Es schien so als würden sie sich auf die Laichzeit vorbereiten.

Wir bekamen die Information, dass die Karpfen in einem Nebenarm schon mit der Laich begonnen hatten.

Was nun, Pech oder Segen? Bei solch einer Wasserfläche würden die Karpfen niemals allesamt gemeinsam Laichen. Wir beschlossen noch eine Nacht dort zu verweilen. Am nächsten Morgen bekam Jürgen einen Biss. Der erste Spanier läutete die Runde ein. Mit wahnsinniger Power startete der Fisch die erste Flucht die Steilkante hinab bis plötzlich die Schnur erschlaffte…. Abgeschnitten. Trotz dicker Schlagschnur verloren wir den ersten Fisch. Wir vermuteten die Dreikantmuschel als ersten Verdächtigen was sich später auch noch bestätigen sollte. Trotz des ersten Laufs an dem Platz entschlossen wir uns zu moven.

Wir hatten Flachwasserbereiche mit Schilffeldern im Sinn. So sollte unser nächster Platz aussehen. Im Flachwasser war das Wasser deutlich wärmer. Vielleicht waren die Karpfen dort schon mit der Laich durch und würden uns die erhofften Sternstunden liefern. Wir fanden unseren Hotspot auf einer Landzunge eines weiteren Nebenarms, der deutlich mehr Flachwasserbereiche aufwies. Hier konnten wir in den Ebro, sowie in den Nebenarm hinein Fischen. Auf der einen Seite zierte ein riesiges Schilffeld den Flachwasserbereich, auf der anderen waren jede Menge Bäume im Wasser, deren Kronen die obere Wasserfäche durchstachen.

Da hier keine Schifffahrt möglich ist, ist der gesamte Stau vollkommen Naturbelassen und es befinden sich tausende von Hindernissen im Wasser, welche die Fische natürlich genau kennen.

An diesem Spot ließen die Fische nicht lange auf sich warten. Der erste Fisch brachte 12,6 kg auf die Waage. Schon ein guter Einstand.

Und so ging es weiter Biss um Biss. Drei Nächte saßen wir dort an und konnten 15 Runs verzeichnen mit Fischen die über der 18kg Marke lagen.

Man konnte an den Laichverletzungen und den leeren Bäuchen gut erkennen, dass die Fische hier soeben fertig waren mit der Laich. Endlich trafen die erwünschten Sternstunden ein. Leider verloren wir auch einige Fische. Die Bäume die dort im Wasser lagen Bewahrheiteten unsere Vermutung. Sie waren übersät mit Dreikantmuscheln.

Der Big Water Mix tat was er verspricht. Er hielt uns die kleineren Exemplare vom Leib. Nicht dass wir die kleineren Fische nicht schätzen, aber wenn man am Steuerrad sitzt und die Taktik funktioniert, geht die Jagd auf die Biggies los. Trotz sehr guter Fänge beschlossen wir erneut zu moven. Unser letztes Zuhause lag an zwei Buchten im Hauptstrom. Nachdem die Ruten auch hier nahe der Schilffelder auf Tiefen zwischen 2 m und 6 m platziert waren, dauerte es auch hier nicht lange bis sich die Bissanzeiger meldeten. Alle Fische die wir hier an dieser Stelle ans Band bekamen waren makellos. Keine Laichverletzungen, was bedeutete, dass die Fische hier noch vor der Laich standen.

Ganz nach der Devise vor der Laich ist nach der Laich, erlebten wir auch hier die besagten Sternstunden. Der Zeitpunkt war meiner Ansicht nach Perfekt angepasst. Mücken und die Hitze machten uns hier im Juni zwar sehr zu schaffen, aber diese war auszuhalten aufgrund der erzielten Erfolge. In der letzten Nacht beschaffte uns dann auch noch ein wahnsinns Wildschuppi, der die 20kg Marke sprengte, noch das Tüpfelchen auf dem i.

Am Camp angekommen beluden wir wieder unsere Autos. Volker, der Leiter des Camps, erzählte uns dass andere Karpfenangler vor uns bei Weitem nicht diese Resultate erzielen konnten, vor allem in Anbetracht der großen Karpfen. Wir ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren bevor wir die Heimreise antraten. Die Taktik, der Köder, der gewählte Zeitraum und die harte Arbeit hatte sich gelohnt. Wir konnten die Früchte Ernten die wir gesät hatten mit dem Resümee: dieser Fluss hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.

Der Fluss Ebro wird immer mit riesen Wallern in Verbindung gebracht, dieser Fluss hat jedoch weitaus mehr zu bieten. Wilde Karpfen mit bärenstarker Kampfkraft dürfen den Riba Roja Stau auch ihr Zuhause nennen.

 

Adios
Tim De Bie

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