TIGERNUT, BETTER THAN OTHER SHIT

Ich kann nicht tatenlos zusehen, wie Tigernüsse unverdient auf der Präferenzskala in die Höhe schießen. Nicht auf der Präferenzskala der Karpfen, sondern der Angler. Diejenigen, die wieder zu Opfern geworden sind. Zu Opfern von Fachleuten, die sie mit Halbwahrheiten in die Irre führen.
In diesem Artikel möchte ich dieses "Wunder" aus mehreren Aspekten erläutern und erklären, warum meine Teammitglieder keinerlei Tigernüsse verwenden, selbst dann nicht, wenn ihnen eine Pistole an den Kopf gehalten wird.

Es stimmt, dass schon zahlreiche Fische mit Hilfe von Tigernüssen gefangen wurden. Ich weiß und sehe es. Die Frage ist jedoch: Wie viele kapitale Fische hättest du fangen können, wenn du mit einem anderen Köder angelst?

Schauen wir zunächst einmal, warum Angler den Boilie überhaupt entwickelt haben. Die nächsten Zeilen habe ich im deutschen und englischen Wikipedia gefunden und stimme dem zu:

„The ability to provide a bait of a fairly large size with a hard outer skin, meant that the other species such as tench and bream were less able to consume the bait. Boiled baits also meant that they could be left longer in the water without fear that they had fallen off the hook, in the same way as bread or other traditional baits might.”

„Boilies sind meist runde Köder, die gekocht oder dampfgegart werden und dadurch, je nach verwendeten Zutaten, zäh bis sehr hart werden. Darum lösen sie sich unter Wasser kaum auf und können fast nur von Karpfen und einigen anderen Karpfenartigen gefressen werden. Als Lockstoff werden Aromen in verschiedenen Geschmacksrichtungen verwendet, die bereits unmittelbar nach Einbringen in das Gewässer abgegeben werden und somit die Lockwirkung erhöhen sollen. Somit ist sehr selektives Angeln möglich.”

Ich würde diese Gedanken noch ein wenig ergänzen. Es geht darum etwas besseres zuzubereiten, als was es damals gab. Wir müssen uns vor Augen halten, dass Mais im 15.-16. Jahrhundert nach Europa kam und Tigernüsse bereits mehrere hundert Jahre vor unserer Zeit. Sie waren also in den 60-er Jahren erreichbar.

Und wo stehen wir heute nach 50 Jahren? Das Problem der Weißfische und kleinen Karpfen ist immer noch ein ungelöstes Problem. Es gibt fast keinen Karpfenangler, der keinen Mais und Tigernüsse füttert. Die Boilies haben also - im allgemeinen - die Hoffnung auf SELEKTIVITÄT nicht erfüllt.

Es ist kein Zufall, dass die Workshop Teilnehmer immer das Thema Selektivität erwähnen, wenn ich sie auf ihre Probleme anspreche. Auch diejenigen, die seit vielen Jahren ihre eigenen Boilies herstellen. Sie waren zwar unzufrieden mit den gekauften Boilies, konnten ihr Ziel anders jedoch auch nicht erreichen.

Kleine Zeitreise

Meine Keen Carp Geschichte beginnt im Jahr 2009. Zu dieser Zeit hat Hub Genders noch publiziert, u.a. auch über kohlenhydrathaltige Boilies. Die Mehrheit der Angler und Köderhersteller ist ihm sofort an die Gurgel gegangen. Sie sagten Karpfen benötigen Proteine, große Mengen an Proteinen und das tun sie bis heute. Die Kohlenhydrat-Boilies seien also geradewegs eine Teufelei.

Es gibt welche, die sich so sehr an fischhaltige Boilies klammern, dass sie die Verwendung von Kohlenhydrat-Boilies auf ihrem See verbieten. Die Verwendung von Körnern, wie Mais und Tigernüsse ist jedoch erlaubt. Die meisten haben es selbst zu hunderten von Kilos verfüttert und es anderen Anglern empfohlen. Das zeugt für mich von absoluter fachlicher Unkenntnis.

Hier tritt ein neues Problem auf. Du hast zwar mehr Fische gefangen, als der Durchschnitt, doch es ist überhaupt nicht sicher, dass du mehr von der Köderherstellung verstehst. Im Gegenteil.

Köderherstellung ist ein Fachgebiet und verlangt an komplexem Wissen. Darunter vieles, was nirgends gelehrt wird. Das musst du dir in den Jahren selbst aneignen. Angeln ist ein Sport, der ganz andere Begabungen verlangt. Man darf hier nichts verwechseln. Ein guter Angler kann mit allem Fische fangen, ein unbegabter nicht. Wenn du einem guten Angler einen guten Köder in die Hände gibst, werden sich seine Ergebnisse schlagartig verbessern.

Der Begriff Fütterung

Für viele ist es immer noch nicht klar, warum gefüttert werden muss. Das sollte als erstes jedem einleuchten. Schon allein deshalb, weil der Wissensmangel in diesem Thema zu unnötigen Fütterungen an riesigen Mengen führt. Das reduziert in großem Maße die Wahrscheinlichkeit eines Fangs.

Die Fütterung ist eine Methode den Karpfen die Ort - Futter von guter Qualität Assoziation zu übergeben. Es ist eine positive Konditionierung. Die Überzeugung der Karpfen, dass sie an einen Platz zurückkehren können, wo sie entsprechendes Futter finden können.

Beim Erreichen dieses positiven Erlebnisses spielt die Verdaulichkeit eine entscheidende Rolle. Die meisten Köder bestehen diese Prüfung nicht. Wir haben bereits alle Zutaten hinzugegeben, von denen wir gutes gehört oder gelesen haben und der Teig ist auch gut formbar, doch das ist zu wenig. Das ist der schwierigste Teil der Prüfung.

Achtung!

Wenn der Köder „aus dem Karpfen herauskommt” bedeutet das noch lange nicht, dass seine Verdaulichkeit entsprechend war, es zeigt nur, dass der Karpfen den Köder gefressen hat und hoffentlich nicht davon sterben wird.

Was bedeutet dann Verdaulichkeit?

Einfach gesagt bedeutet es, wie der Karpfen die für ihn notwendigen Nährstoffe aus der Nahrung heraus gewinnen kann. Es ist nicht egal, in welchem Tempo die Verdauung stattfindet, ob der Köder schnell oder eher langsam durch den Darmtrakt geht. Ich habe schon öfters gehört, dass einige Abführmittel in die Boilies geben oder Raps verfüttern, damit die Nahrung aus dem Karpfen schneller entweicht. Das Problem hierbei ist, dass die Enzyme keine Zeit haben die Nährstoffe aus der Nahrung zu lösen, wenn sie zu schnell aus dem Karpfen herauskommt. So wird die Nahrung dem Karpfen nichts nützen. Sie ist nicht dazu geeignet den Karpfen positiv zu konditionieren. Es ist sogar kontraproduktiv.

Wenn die Nahrung zu schwer zu verdauuen ist, der Karpfen die Nährstoffe jedoch benötigt, wird er mehr Zeit und Energie in die Verdauung investieren. So verbringt die Nahrung mehr Zeit im Darmtrakt. Solange dieser Vorgang läuft, ist ihr Darm voll und sie werden nicht weiter fressen. Das ist für das Erreichen unseres Ziels Fische zu fangen auch nicht gut.

Bedenkt einmal, wie schwierig es ist einen Fisch dazu zu bringen regelmäßig zu unserer Fütterung zurückzukehren, wenn sowohl die zu schnelle als auch zu langsame Verdauung negative Folgen hat. Es ist also kein Wunder, dass viele sagen, sie können nicht konstant Fische fangen. Nach einigen Fängen bleiben die weiteren schnell aus. Der eine Hauptgrund hierfür ist die Unverdaulichkeit oder nicht ideale Verdaulichkeit des Futters.

Nutritional value

Ich höre sehr oft, dass darüber gelesen werden kann und damit argumentiert wird, dass Tigernüsse einen sehr hohen Nährstoffgehalt haben. Sie haben viel Energie und sind einfach zu verdauen. Das habe ich auch gelesen und verstanden. Das ist auch so. Zwei Dinge bereiten mir jedoch Kopfzerbrechen.

1. Ein hoher Energiegehalt muss einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten bedeuten. Der Kohlenhydratgehalt von Tigernüssen ist also hoch und der von Mais auch.

Was passiert im Sommer? Oder besser gesagt fast immer. Die Fanatiker der Protein-Boilies reißen heimlich die Deckel ihrer Plastikeimer ab, drehen den Verschluss ihrer Fässer auf und streuen mit dem Fütterungslöffel das besagte Lieblingsfutter aller Karpfen, Tigernüsse und Mais, in großen Mengen aus. Darüber schreiben sie tausende von Berichten.
Was bedeutet das? Guten Morgen!! Sie angeln mit Ködern die einen hohen Kohlenhydratgehalt haben. Wenn das wahr ist, dann ist die Behauptung Kohlenhydrat-Boilies seien Quatsch und Tigernüsse und Mais sind demgegenüber gute Köder milde gesagt fehl am Platz. Sie werfen natürlich auch eine Handvoll Protein- Boilies zu der Fütterung und an den Haken kommen sie auch. So entsteht die Gehirnwäsche, wie toll ihre Boilies doch funktioniert haben. Das bewerte ich jetzt lieber nicht.

2. Wie ich zuvor erwähnte bedeutet Verdaulichkeit nichts anderes als das Herausgewinnen der Nährstoffe aus der Nahrung. Also nützen die Nährstoffe im Futter nichts, wenn der Karpfen sie gar nicht oder nur schwer herausgewinnen kann.

Was eine nicht entsprechende Verdauung für uns Karpfenangler bedeutet habe ich auch bereits erläutert. FANGLOSIGKEIT.

Ähnliche Erfahrungen

Ich habe mit vielen Anglern verschiedener Gewässer, weit voneinander entfernte, aus unterschiedlichen Ländern, verschiedenen Gewässertypen, Flüsse, große Seen, kleinen Pay-Lakes über die langfristige Wirkung von Tigernüssen gesprochen.

Alle machten ausnahmslos ähnliche Erfahrungen. Weder Tigernüsse noch Mais boten über längere Zeit eine gute Lösung. Ich habe außerdem etwas sehr nützliches erfahren: Das Problem habe nicht nur ich, das sind nicht nur meine Gedanken, es ist international.

Beim Arzt

Mit kleineren Stoffwechselproblemen bin ich in die Hände eines Arztes für Innere Medizin geraten. Das gehört nicht unbedingt zu den Themen eines Anglerforums, doch wartet das Ende ab.

Der Arzt machte einen sehr kompetenten Eindruck. Er untersuchte sogar meine Zähne und fragte, wie oft ich ungefähr einen Bissen kauen würde. Dann sah er, dass ein-zwei meiner Kauzähne fehlen und stellte fest, ich würde viel zu schnell essen. Er erklärte mir, dass unser Körper nur gründlich gekaute Nahrung verdauen kann und dass ich mich über meine Probleme nicht wundern soll. Ihr hättet mal sein Gesicht sehen sollen, als ich mit einem breiten Lächeln seine Diagnose entgegennahm. Ich lachte wie ein Kind an Weihnachten. Natürlich sah er mich etwas verwirrt an und fragte nach dem Grund dieser nicht alltäglichen Reaktion. Als ich ihm erzählte ich sei ein Angler und der mich gerade über eine jahrelang ungelöstes Problem aufklärte, lächelte er auch. Er hatte einen guten Humor und empfahl mich gleich einen seiner Psychologen-Kollegen weiter.

Verdauung noch einmal

Wie es der Arzt erwähnt hat, beginnt der Verdauungsvorgang bereits beim Kauen. Mir ist der Unterschied zwischen dem Verdauungstrakt eines Karpfen und eines Amurs klar geworden. Ich habe die veröffentlichten Zeichnungen und Fotos ihrer Zähne vor mir gesehen und verstanden, warum man längerfristig Amure mit Tigernüssen fangen konnte, aber keine Karpfen.

Die Schlussfolgerung war eindeutig. Der Karpfen kann die Tigernüsse nicht sorgfältig zerkauen, deshalb bereitet ihm ihre Verdauung Probleme. Das können wir sehen, wenn sich die Karpfen entleeren. Wir können ziemlich große Stücke beobachten, was ein Beweis für das Handicap des Kauens ist. Die großen Stücke bedeuten auch, dass ihre Oberfläche den Enzymen nicht genügt, daraus die nötigen Nährstoffe zu gewinnen. Das führt zu einer langsamen Verdauung. Eine langsame Verdauung bedeutet, dass die Nahrung langsamer dem Darmtrakt entweicht und die Karpfen deshalb erst später neue Nahrung aufnehmen. Damit habe ich die Antwort gefunden, warum ich mit Tigernüssen über längere Zeit nicht erfolgreich war und keine regelmäßigen Fänge hatte.

Das Problem wird größer

Um die wirklich großen Karpfen zu fangen braucht man Zeit. Ich denke hierbei an geplante und regelmäßige Ergebnisse. Das Verhalten dieser alten Karpfen ist völlig anders, als das der anderen Individuen. Das Thema ist zwar um einiges komplexer, doch wir können sie raffiniert und vorsichtig nennen. Deshalb dauert die erwähnte Konditionierung etwas länger. Man brauch mehr Zeit um ihr Vertrauen zu gewinnen. Wie könnten wir das mit einer Nahrung erreichen, aus der die Karpfen nur langsam und mit mehr Energieaufwand die Nährstoffe gewinnen.

Fachliche Selbstbewertung/Glaubwürdigkeit

Ich denke aus diesem Aspekt haben dieses Thema noch nicht viele untersucht. Das wundert mich nicht.
Angler sind nicht dumm. Aus ihrer Hinsicht ist die Anwendung von Körnern völlig logisch und eine rationale Entscheidung. Sie kaufen und verwenden, was ihre Probleme am ehesten löst. Wenn Boilies dies nicht tun, greifen sie zu Tigernüssen.

Ich habe mir die Frage schon oft gestellt: Warum füttert der Angler – insbesondere derjenige, der seine Boilies selbst herstellt oder sehr günstig an sie herankommt – zum großen Teil Körner, Mais und Tigernüsse?

Ich denke dass keiner sein eigener Feind ist, also ist die Antwort für mich eindeutig. Sie fangen mit Tigernüssen mehr Fische, als ohne. Warum würden sie sie sonst anwenden?
Kommt mir jetzt ja nicht mit dem Argument, Tigernüsse seien billiger als Boilies. Wer das behauptet, belügt sich selbst. Der Preis eines Köders zählt nur solange du keine Fische damit fängst. Wenn es einen Boilie gibt, mit dem du regelmäßig Fänge hast, würdest du eher auf Essen und Trinken am Ufer verzichten und sie kaufen. Oder gehörst du zu denen, die deshalb angeln, weil die Natur sie berührt?

Glaubwürdigkeit ist für mich eine kardinale Frage. Der etwas großmäulige, kritische Typ der ich bin, sieht mir mindestens zweimal täglich aus dem Spiegel in die Augen und ich könnte es nicht aushalten, wenn ich meine Augen verdecken müsste. Ich bin lieber unbeliebt als für Popularität zu lügen. Auch wenn das aus der Mode zu geraten scheint. Ich muss viele zur Verzweiflung bringen und es sieht so aus als würde das für den Rest meines Lebens so bleiben.

Ich könnte vor meinen Kunden nicht behaupten, wie toll Keen Carp Boilies doch sind, wenn meine Teammitglieder derweil Tigernüsse und Mais verfüttern - mit ein paar Boilies nebenbei - und darüber Berichte schreiben, wie klasse unsere Boilies sind.

Ich bin sehr stolz, dass ich mit einem solchen Fachmann zusammenarbeiten kann, wie Hub Genders. Von ihm kann ich immer mehr und mehr über Karpfen und die Köderherstellung lernen. Er ist die Garantie dafür, dass ich ohne mich zu verstellen sagen kann, wie gut Keen Carp Boilies sind.
Ihm ist es gelungen etwas besseres herzustellen als Tigernüsse. Und das nicht nur in den letzten paar Jahren. Hier ist eine über 20 Jahre alte Rechnung:

Es ist noch wichtiger, dass das Rezept das gleiche ist wie vor 20 Jahren. Er musste es nicht jedes Jahr verändern. Warum nicht? Weil er seit der Erscheinung auf dem Markt weiß, wovon Karpfenangler seit 50 Jahren träumen und von einem Boilie erwarten:

SELEKTIVITÄT!!!

Wenn es dich interessiert, wie man ohne Glück große Karpfen fangen kann und wie es ist, mit guten Ergebnissen selektiv zu angeln, besuche unseren Workshop. Dort kannst du eine in vielen Jahren entwickelte Methode kennenlernen, mit der auch du fähig sein wirst regelmäßig große Karpfen zu fangen.

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