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Brüdersession am Bled 2.0

Sergej Teljatnikov

Ende Oktober ging es für meinen Bruder Anatoli und mich nach Slowenien an den Bleder See. Elf Tage Angeln lagen vor uns. Wochen vorher machten wir uns schon Gedanken über unser taktisches Vorgehen, die Platzwahl, Köder etc. Wir wollten nichts dem Zufall überlassen - alles sollte gründlich durchdacht sein. Natürlich setzten wir uns auch Ziele für die Session, was nicht nur den Fang mehrerer 20 kg Fische beinhalten sollte, sondern auch den Fang eines Ausnahmefisches. Somit war die Messlatte sehr hoch gesetzt, doch mit der richtigen Vorgehensweise nicht unmöglich, diese Ziele zu erreichen.

Als wir dann nach einer sehr entspannten Fahrt am See ankamen und unser Appartement bezogen, hatten wir noch zwei Tage Zeit, bis wir mit dem Angeln beginnen konnten. Diese Zeit nutzten wir sinnvoll, indem wir einige Male um den See gingen und uns Angelplätze anschauten, die für uns interessant waren. Wir entschieden uns für zwei Stellen, die wir im Wechsel beangeln wollten. Diese waren ungefähr zwei Kilometer voneinander entfernt und unterschieden sich dadurch, dass eine Stelle etwas flacher ausfiel, als die andere. Wer den See kennt, weiß dass man es hier mit Tiefen von 15-20m und tiefer zu tun hat, und dass es nicht ungewöhnlich ist, in diesen Tiefen auch zu Angeln.  

Am ersten Angeltag ging es zur tieferen der beiden Stellen. Da auch Slowenien stark unter der Corona-Pandemie zu leiden hatte, mussten wir mit Einschränkungen rechnen. Es herrschte hier zwischen 21 Uhr und 6 Uhr eine Ausgangssperre, was für uns bedeutete, dass wir um 20 Uhr einpacken mussten. Aufgrund dessen wählten wir einen sehr attraktiven Köder, um in der kurzen Angelzeit möglichst viele Karpfen anzusprechen. Die Wahl fiel auf den Hot Fish&Gammarus in 20 mm. Die Taktik war sehr simpel: punktuell mit Hilfe von Distanzesticks und Spomb wenig Futter (max. 300 g) über den Hakenköder zu werfen. Nachdem die Ruten lagen, dauerte es keine halbe Stunde, bis Anatolis Rute ablief. Das Ergebnis war ein 25 kg Spiegler. Kurze Zeit später konnte er noch mit einem 18 kg Spiegler einen draufsetzen. Somit war der Anfang gemacht.

Am nächsten Tag fing Anatoli dort an, wo er am Vortag aufgehört hatte: er fing einen 24 kg Spiegler, und wenig später einen schönen Schuppenkarpfen um die 15 kg und zum Ende des Tages noch einen 15 kg Spiegler.

Alle fünf Fische bissen auf einen ausbalancierten Hot Fish&Gammarus Boilie. Bei mir tat sich bis dato gar nichts. Somit änderte ich meine Taktik, indem ich meine beiden Ruten noch weiter rauswarf auf neu ausgelotete Stellen – zwei Rutenlängen weiter, als bei meinem Bruder. Es dauerte nicht lange, da konnte auch ich meine ersten beiden Fische zwischen 10 und 12 kg fangen. Am dritten Tag sollte es wieder an dieselbe Stelle gehen wie in den letzten Tagen. Doch leider war diese schon besetzt und es stellte sich heraus, dass die Angler an dem Platz bis Ende der Woche Angeln wollten. Auf ein Wettrennen um die Angelstelle hatten wir keine Lust und so entschieden wir uns eine andere Stelle zu befischen, die wir eigentlich ein paar Tage später beangeln wollten. Diese war, wie anfangs erwähnt, etwas flacher. Unsere Vorgehensweise war dieselbe: weit rauswerfen, wenig Futter, dafür punktuell und gezielt. Diesen Platz wollten wir 4 Tage lang beangeln. Bis auf einen kleineren Schuppenkarpfen, der am späten Abend biss, tat sich an diesem Tag nichts mehr. Am darauffolgenden Tag haben die Fische endlich unsere Plätze aufgesucht. Jeder von uns fing zwei Karpfen, wovon meine 17 kg und 20,5 kg und die meines Bruders 16 und 20 kg auf die Waage brachten.

Was dann am nächsten Tag passierte, werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Nachdem ich vormittags zwei Fische von 16 und 21 kg gefangen hatte, bekam ich am Nachmittag einen verhältnismäßig zarten Biss. Aus der Vergangenheit wusste ich, dass solche zaghaften Bisse meistens von den größeren Fischen stammen. So auch dieses Mal. Als der Fisch nach einem langen Drill endlich im Kescher lag, sah mich mein Bruder an und sagte: ,,Jepp, das ist der Ausnahmefisch den wir haben wollten!“ Die Wage blieb bei 29,5 kg stehen. Mein neuer PB!

Nach dieser, bis jetzt sehr erfolgreichen Woche mit sechs Fischen über 20 kg, ging es für uns in die Halbzeit. Wir gönnten uns einen Tag Angelpause.  In der zweiten Woche ging es dann so richtig los was die Anzahl der 20 kg Fische betraf. Vor allem für Anatoli. Nachdem ich Anfang der zweiten Woche wieder mit zwei Fischen von 17 und 22 kg vorlegte, ging Anatoli an diesem Tag wieder leer aus, sodass wir beschlossen, am darauffolgenden Tag die Stelle zu wechseln. Es ging an den Platz, den wir am Anfang des Trips beangelten. Dieser war wieder frei, und wir waren gespannt was da noch kommen würde. Und es kam ganz dick für Anatoli. Er konnte an diesem Tag mit fünf Fischen seine Durststrecke beenden. Von diesen waren zwei über 20 kg. Und zwar 26 kg und 27,5 kg. Ich dagegen musste mich an diesem Tag mit einem 16 kg Fisch zufrieden geben.

Am nächsten Tag war es wieder etwas ausgeglichener. Ich konnte vier schöne Fische bis 20,5 kg fangen. Anatoli zwei schöne Karpfen bis 22 kg. Die Fische haben so gut gebissen, dass wir regelrecht einen Wettkampf daraus machten.

Die letzten drei Tage wollten wir einen Platz beangeln, der nur wenige 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt lag. Doch an dieser Stelle tat sich eineinhalb Tage nichts, sodass wir die letzten eineinhalb Tage nochmals den zwei km langen Fußweg zur ersten Angelstelle in Kauf nahmen. An dieser Stelle hatten wir bislang die meisten Aktionen gehabt. Schließlich zahlte sich unsere Entscheidung aus. Zwar konnten wir keinen über 20 kg überlisten, aber dafür sechs Fische zwischen 15 und 19.5 kg. Wir waren dennoch sehr zufrieden.

Unser Resümee des Trips:  Angeln kann so einfach sein, wenn man an der richtigen Stelle angelt. Wichtig war weit rauswerfen, punktuell Füttern und vor allem an den richtigen Stellen. Was das Thema Futter betrifft, nahmen wir nur 20 kg Boilies mit, wovon wir nur 13 kg effektiv verfütterten. Als wir dies anderen Anglern erzählten, wurden wir nur belächelt. Trotzdem hielten wir an unserer Taktik fest und fütterten maximal 300 Gramm pro Rute. Darüber hinaus benutzten wir weder Dips, noch Liquids  oder sonstige Attraktoren. Wir benutzten lediglich ausbalancierte Hakenköder oder Wafters. Gewässer mit mehreren Kilo Boilies voll zu füttern, muss wirklich nicht sein. Wir konnten in 11 Tagen Angeln mit wenig Futter 11 Karpfen über 20 kg fangen und 20 Karpfen zwischen 15 und 19 kg.

Viel Erfolg am Wasser wünschen,
Sergej und Anatoli



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